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HO-Fazit

Aus den ersten Wochen HO

Also ... eigentlich sind es ja nicht die ersten Wochen Home-Office in meinem Leben. Denn bereits als selbständiger Finanzberater konnte ich die ersten Erfahrungen im heimischen Büro sammeln. Wobei: im Vertrieb ist das noch eine andere Sache. Da heißt es, den Kontakt - möglichst den persönlichen Kontakt - aktiv und fortwährend suchen. Aber die Zeit in Selbständigkeit war eine gute Übung in Selbstdisziplin was die Konzentration auf den Job, das Geschäft, das Wesentliche anbelangt.

 

Im Zusammenspiel mit dem Unternehmen, bei dem man in Beschäftigung steht, ist das mit dem Home-Office noch einmal eine ganz andere "Nummer". Insbesondere auch dann, wenn wesentliche Teile der Belegschaft, also der Kolleginnen und Kollegen, keine oder kaum Erfahrungen mit HO hat. Viele tun sich schwer damit.

 

Mein vorläufiges Fazit ist aber überaus positiv und ein klares PRO-HO. Warum? Hier die Gründe:

 

Effizienz

In der Summe arbeitet man effizienter - gerade im Zusammenwirken mit den KollegInnen. Bei Meetings kann jeder auf seinem "Arsch" an seinem Arbeitsplatz sitzen bleiben, hat sein gewohntes Arbeitsumfeld zur Verfügung und kann bei Bedarf auf alle Jobs, Tools und Infos aus seinem Arbeitsbereich zugreifen und diese im Online-Meeting präsentieren. Alles viel entspannter als den Weg in en Meeting-Raum (also den leibhaftigen Besprechungsraum) suchen zu müssen, in dem dann doch der Beamer, der Monitor oder die Klimaanlage ausgefallen ist und nur die Hälfte der Teilnehmer über einen Laptop verfügt und die Arbeitsunterlagen dann doch nicht griffbereit sind. Außerdem ist man in vielen Meetings nicht durchgängig "gefragt" und könnte eigentlich mal zehn Minuten "seinen ureigensten Job" machen. Das geht beim Online-Meeting viel besser. Und wenn ein Stichwort fällt, zu dem man etwas geistreiches beitragen kann oder muß, dann schaltet man sich eben zu.

 

Familie und Work-Life-Balance

Klar ist: wenn es an Selbstdisziplin mangelt, dann ist alles nichts. Insbesondere trifft das auf HO-Tätigkeiten zu. Ich erinnere mich an meine bereits erwähnte Selbständigkeit. Mein Büro hatte ich daheim, wo auch jetzt mein HO-Büro ist. Damals konnte es geschehen, dass die Großmutter angewackelt kam und  meinte: "Bub! Du bist ja daheim! Ei da kannst du mich ja zur Krankengymnastik fahren!" Denkste! Wehret den Anfängen! Auch wenn es nicht so aussieht! Es ist Arbeit! Und die muß JETZT getan werden! Daran mußten sich alle Familienmitglieder gewöhnen.

Heute ist das sogar leichter als damals. Warum?

  1. Auch meine Lebenspartnerin ist im HO
  2. Auch meine Tochter ist im Schul-HO

Wir alle wissen, was das bedeutet. Wir alle haben Respekt vor der Tätigkeit des anderen. Auch wenn er die von seinem Zimmer, vom Sofa oder vom Kinderzimmer aus macht. Und doch haben wir unsere Nähe! Wir können uns unterstützen, können zusammen mal Pause machen, können uns in frustuígen Situationen in den Arm nehmen. Wir alle teilen tolle Erfahrung. Da ist nicht der Papa, der am Morgen aus dem Haus geht, um Geld zu scheffeln für die Familie und der am Abend gestresst wieder ins traute Heim zurück kehrt. Da ist nicht die Tochter, die mit dem Schulranzen im Gymi verschwindet (Oh Gott! Schule! Was ein Glück haben wir das hinter uns! Besser nix mehr davon mitkriegen!) und am Nachmittag wieder auftaucht mit Hausaufgaben und Flausen. Es gibt keine Black-Box mehr. Alles spielt sich HIER ab! Alles ist im WIR, im MITEINANDER! Alles gehört irgendwie zu uns, zur Familie. Wir sehen das, was der andere leistet, mit ganz anderen Augen! Wir haben Respekt! Mein Respekt vor dem Job meiner Lebensgefährtin, die für eine der größten Banken in diesem Lande mit dafür sorgt, dass die IT-Infrastruktur auch in Krisenzeiten stabil läuft ist enorm! Mein Respekt vor der Arbeit meiner Tochter, die sich mit kreativmaximiertunstruktirierten Lehrkräften herumschlagen muß und diese doch hervorragend meistert ist gigantisch gewachsen! Und auch beider Respekt vor meiner Arbeit stärkt mich immens, ja treibt mir zuweilen Tränen des Glücks in die Augen! Nie könnte einer von uns seinen Job auch nur ansatzweise beschreiben. Auf die sonst üblichen Fragen: "Na, wie war Schule?" oder "Wie war dein Tag, Schatz?" nach unserer Heimkehr könnte doch keiner von uns mehr sagen wie: "Och, ging so".

 

Die Zukunft

Machen wir uns nichts vor! In der Vergangenheit wurden von manchem Arbeitgeber mannigfaltige Gründe angeführt, die gegen das HO sprachen. Inzwischen müssen Arbeitgeber mit immensen Verlusten rechnen - einschließlich der Streichung von Wirtschaftsförderung und Zuschüssen - wenn sie - ohne gute Gründe - keine HO-Arbeitsplätze schaffen. Bringen wir es doch auf den Punkt: wenn in der freien Wirtschaft ein Unternehmen in schiefe Lage gerät, weil es nicht genügende Kapazitäten im HO zur Verfügung hält und durch eine Pandemie oder dergleichen der erforderliche Umsatz am zentralen Produktionsstandort nicht erwirtschaftet werden kann, da wird der Staat diesen Unternehmen künftig doch hoffentlich etwas husten und von Wirtschaftshilfe absehen. Unternehmen, die die Zeichen der Zeit nicht erkannt haben, müssen einfach aussterben. Basta! Da sollte die Politik gnadenlos sein! Außerdem: Firmen, welche weiterhin größtenteils an der leibhaftigen Zusammenkunft der von ihnen gebuchten Menschenkörper festhalten, denen sollten die damit einher gehenden Schäden an der Umwelt durch Abgase und Co in Rechnung gestellt werden. Klar ist aber auch: das kann nur für Unternehmen und Jobs gelten, für die HO eine alternative ist. Die originäre Herstellung von Waren ist in der Regel nicht HO-fähig, die Herstellung von Dienstleistungen hingegen schon.

Und: wer meint, mit dieser aktuellen Pandemie - wenn sie denn einmal überstanden ist - wäre alles erledigt, der täuscht sich! Was sich gerade abspielt ist eines der harmloseren pandemischen Ereignisse. Es wird sich fortsetzen. Es wird sich wiederholen. Und selbst wenn nicht: das Damoklesschwert hängt ab nun stets über uns. Unternehmen müssen vorbereitet sein. HO ist ein fester Bestandteil der Notfallstrategie eines jeden Unternehmens.