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Alles anders

Am Abend im Bio-Supermarkt ist selten viel Betrieb. An  der Kasse keine Schlange. Kein Gedränge in den Gängen. Gestern war dort vergleichsweise viel Besuch. Aber immer noch deutlich weniger als bei Rewe und Co.

Am Morgen sieht die Welt schon anders aus. In die Metzgerei werden nur zwei Kunden zugleich eingelassen. Alle müssen draußen warten.

 

Wir haben uns gestern bereits ausreichend versorgt, weil wir am Wochenende erst einmal Abstand brauchen. Wir wollen nicht fortwährend an den Virus erinnert werden. Überhaupt scheint Abstand derzeit das Gebot der Stunde zu sein. Diejenigen, die ohne üppige soziale Kontakte nicht auskommen, haben weniger Vorteile gegenüber den Eigenbrötlern dieser Welt. Verfolgt die Natur damit ein Ziel?

 

Die Schulen sind ab Montag auch in Heppenheim geschlossen. Meine Tochter bleibt daheim. Der Unterricht soll dennoch - mit technischer Unterstützung - weitergehen.

Es gibt einiges im privaten Umfeld zu organisieren. Auch ich arbeite - mindestens die kommende Woche - von daheim aus. Und wenn das alles mehrere Wochen hin andauert. Und wenn dann alles irgendwann einmal wieder "normal" weiter gehen kann, weil das Virus eingedämmt ist und die zahl der Neuinfektionen Rückläufig ist. Alles wird anders sein. Es wird gewisse Diskussionen nicht mehr geben.

 

Lehrer in der herkömmlichen Form für den Präsenzunterricht wird es nicht mehr brauchen. Wenn sich "Schule" zur Not in "Hausunterricht" via WhatsApp und eLearning vermitteln läßt, dann kann man das - in perfektionierter Form - auch für die "Zeit danach" weiter denken.

 

Welcher Unternehmer - es sei denn er ist ein Volldepp und Ignorant - wollte sich weiterhin dem Thema Home-Office versperren? Wenn auch heute die finanziellen Zusagen für die Wirtschaft vollmundig von den Politikern ausgeschüttet werden, so werden diese in einer künftigen, vergleichbaren Krisen-Lage nur noch den Unternehmen zustehen, die sich in einem Mindestmaß vorbereitet haben. und hierzu gehört - unter anderem - Home-Office.

 

Ich arbeite in einem Unternehmen, dessen Kunden und zuweilen auch dessen interne Strukturen sich der Thematik Home-Office für das Produktionsumfeld erst in der Krise geöffnet haben. Dies wird so künftig nicht mehr sein. Wer am Markt bestehen will, der muß Flexibilität beweisen. Übrigens nicht nur in Krisenzeiten. Starre Techniken, wie ortsgebundene Telefonanlagen, sind tot. Starre Strukturen in der Dienstleistungslandschaft sterben mit dieser Pandemie endgültig aus. Es überlebt die virtualisierte Arbeitswelt mit virtuellen Kommunikations- und IT-Systemen, die schwarmartig von Standort zu Standort, von Office zu Home-Office ziehen kann.

Der Einzelhandel - ausgenommen allenfalls der Lebensmittelhandel - wird unter den prominenteren Opfern der Pandemie sein. Bestellen und liefern lassen ist jetzt nicht nur bequem, sondern auch gesund. Die letzten Schreibwarenläden und Buchhandlungen werden schließen müssen, da gerade die Risikogruppe der betagteren  Menschengerade zu deren bislang treuen Kunden zählte und nun ausbleibt. 

 

Alles wird anders.