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LebensArt

Allmorgendlich um acht Uhr öffnet Putin die Tür zum Platz der deutschen Einheit. Die Gesichter derer, die bald darauf ins vinocentral strömen, kennt er gut. Es gibt viel Stammkundschaft. Sie verbindet ihr täglicher Gang über den Platz der deutschen Einheit vor dem Hauptbahnhof in Darmstadt. Bevor der Arbeitstag richtig beginnt geht´s erst einmal auf einen Kaffee und ein Croissant zu Putin und seinen Kolleginnen und Kollegen.

 

Ob er wirklich so heißt? Keine Ahnung! Jedenfalls steht es so auf dem Kassenbon, der zwischen Tasse und Untertasse klemmt, wenn du deinen Kaffee bekommst. Der freundliche Barista, der einen der besten Kaffees in Darmstadt brüht (Sagt man brüht? Meine Oma brüht Kaffee, ein Barista komponiert seinen Kaffee), sieht seinem Namensvetter jedenfalls nicht ähnlich.

 

 

Wie dem auch sei. Mindestens einmal die Woche gönne ich mir diese bewußte, erste Unterbrechung des Alltages. Bevor es richtig losgeht noch einmal Kraft schöpfen, durchatmen, genießen. Diese Art das Leben zu begehen verbindet mich mit den übrigen Menschen im vinocentral. Wir sind Gleichgesinnte. Das macht die besondere Stimmung hier aus. Fast bin ich ein wenig süchtig danach. Nach dem Kaffee, dem Koffein,  den Menschen.

 

Ich nehmen meine Bestellung vom Tresen, gehe vorüber an dem Regal mit der Auswahl an selbst gerösteten Kaffeebohnen. Meine Lieblingsecke ist noch frei. Ich setze mich, lehne mich in eines der dicken, wärmenden Kissen vor dem Fenster zurück und genieße meinen Kaffee. Das tut gut!

 

Ich schaue mich um. Hinter mir das Fenster. Draußen rumpelt die Straßenbahn vorbei. Ich sehe die Fahrgäste dort sitzen oder stehen und wie ihre Gesichter von den Displays ihrer Smartphones erleuchtet sind. Vor mir die Regale mit Wein, Pasta, Saucen und mehr. Und über allem die Mixtur von leckeren Düften.

 

Zwischen den Regalen immer wieder Tische mit Bänken. An einem der Tische sammeln sich die Mitarbeiter eines Architekturbüros zum wöchentlichen Update ihrer gemeinsamen Projekte. Pläne werden ausgerollt und mit Kaffeetassen daran gehindert, sich wieder zu verstecken.

 

Eigentlich will ich hier gar nicht wieder weg, Ich hole meinen Laptop aus der Tasche und lasse ihn sich über mein Smartphone mit der Firma vernetzen. Auf alles, was ich für meinem Job brauche, habe ich von hier aus Zugriff. Einschließlich reichlich Koffein in seiner schmackhaftesten Form.

 

Wozu gibt es eigentlich noch Büros?

 

Das vinocentral ist aber nicht nur etwas für Freigeister, die sich hier am Morgen mittels Koffein für den Büroalltag aufrichten müssen. Es ist ein Stück Lebens-Kunst, sich nach erfolgreicher Arbeit hier ein Glas Wein und einen Teller Antipasti zu gönnen. Dazu gibt es regelmäßig Jazz, bei dem man geruhsam den Arbeitstag ausklingen lassen kann.

Ein Stück Lebens-Art.